Sozialistische Bodensee-Internationale

Die SBI ist der Verband der sozialdemokratischen Parteien und befreundeter Gewerkschaften im Dreiländereck am Bodensee.

Montag, 06. September 2010

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Kurzübersicht
zur geschichtlichen Entwicklung der SBI

1902
"1. Internationales Arbeiterfest“ in Bregenz (A) mit Umzug und anschliessender Kundgebung von 900 Sozialdemokratinnen und Sozialdemokraten aus der östlichen Bodenseeregion, anknüpfend an früher bereits – noch ohne organisatorischen Überbau – stattgefundene derartige Veranstaltungen. Eindeutig handelte es sich hierbei um die Grundsteinlegung für den Aufbau eines sozialdemokratischen ArbeiterInnen-Verbandes in den Bodensee-Anrainerstaaten, welcher zunächst in eher 'loser' Form bestand.

"Die Geburtsstunde der SBI 1902 in Bregenz"
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In den folgenden Jahren durchlief diese „Arbeiter-Internationale“ einen Prozess organisatorischer Straffungen und Neuerungen, bis sie sich schliesslich zu einer eigenständigen und mit Statuten ausgestatteten Organisation entwicklet hatte. Der „Arbeiter-Verband der Bodensee-Uferstaaten“, so die erste offizielle Bezeichnung, nahm fortan nachfolgende Aufgaben wahr: Gegenseitige Unterstützung seiner Mitgliedsorganisationen bei ihrer politischen Agitationsarbeit auf schwierigstem, zumeist konservativ-katholischem Terrain; Informationsaustausch über nationale Grenzen hinweg; gesellschaftliche Anerkennung des ArbeiterInnenstandes und gesellige Kameradschaftspflege unter den sozialdemokratischen Vereinen.

1904
Errichtung eines „Zentralauskunftsbureaus“ des ArbeiterInnenverbandes in Konstanz (D) (bis 1908) und Bestellung des Konstanzer SPD-Vorsitzenden Karl Grosshans zu dessen erstem „Sekretär“.

SBI-Treffen in Arbon 1911
Erste Fotografie eines SBI-Treffens: Der imposante Umzug in Arbon 1911.

bis 1914
Acht grosse sozialdemokratische ArbeiterInnenfeste am Bodensee mit bis zu 12.000 TeilnehmerInnen und prominenten Kundgebungsrednern wie August Bebel, Dr. Karl Liebknecht, Dr. Victor Adler, Dr. Karl Renner und Hermann Greulich – Die „Arbeiter-Internationale“ protestierte gegen „kapitalistische Kriegshetze“ und obrigkeitsstaatliche Unterdrückung des ArbeiterInnenstandes.

1924
Wiedergründung der Organisation nach dem Ersten Weltkrieg in Rorschach (CH). Fortsetzung der Grossveranstaltungen: Bis zu 15.000 TeilnehmerInnen kamen zu den Treffen der „Arbeiter-Internationale der Bodensee-Uferstaaten“. Als RednerInnen traten u.a. Hermann Müller-Franken, Paul Löbe, Dr. Rudolf Breitscheid, Marie Juchacz, Otto Wels,
Dr. Otto Bauer, Dr. Friedrich Adler und Ernst Nobs auf. Im Mittelpunkt der Agitation stand zunehmend die Verteidigung des demokratischen Rechtsstaates und der politische Kampf gegen den aufkeimenden Faschismus.

SBI-Treffen 1929 in Friedrichshafen
Fahnenabordnungen und Ehrengäste in Friedrichshafen 1929 (D); in der Mitte (sitzend) Nationalrat Hermann Greulich, eine "Ikone" der eidgenössischen Sozialdemokratie.

1933 – 1945
Während des „Dritten Reichs“ bzw. der „austro-faschistischen“ Herrschaft musste die Arbeit der „Bodensee-Internationale“ eingestellt und das gesamte Archiv im „Vorort“ Bregenz (A) aus Gründen des Selbstschutzes vernichtet werden. Deutsche und österreichische SozialdemokratInnen, welche vor den faschistischen Machthabern flohen, erfuhren wertvolle Hilfeleistungen durch ihre eidgenössischen Parteifreundinnen und -freunde. Ebenso wurde die Arbeit sozialdemokratischer Widerstandsgruppen am Bodensee durch die eidgenössische Sozialdemokratie umfassend unterstützt. St.Gallen (CH) entwickelte sich zum Zentrum dieses Widerstandes, hier hatte auch ein „Grenzsekretariat“ der Exil-SPD seinen Sitz.

1948
Wiedergründung der Organisation in Bregenz (A), sie erhielt nunmehr die Bezeichnung „Sozialistische Bodensee-Internationale (SBI)“.

bis 1965
Wiederaufnahme der traditionellen Grosskundgebungen. Bekannte Sozialdemokraten kamen an den Bodensee und sprachen zu teilweise über 10.000-köpfigen Versammlungen: Waldemar von Knoeringen, Fritz Erler, Erich Ollenhauer, Dr. h.c. Alex Möller, Willy Brandt, DDr. Bruno Pittermann, Dr. Bruno Kreisky, Walter Bringolf, Dr. Hans-Peter Tschudi und Dr. Willy Spühler. Diese setzten sich bei ihren Auftritten mit Vehemenz gegen das atomare Wettrüsten, für einen Ausbau der ArbeitnehmerInnenrechte und die Ächtung der kommunistischen Systeme ein.

SBI Großkundgebung 1965 in Arbon
Bundesrat Willy Spühler (SPS), Regierender Bürgermeister Willy Brandt (SPD) und Aussenminister Bruno Kreisky (SPÖ) bei der SBI-Großkundgebung 1965 in Arbon (CH).

seit 1966
An die Stelle der traditionellen Grosskundgebungen traten im aufkommenden modernen Medienzeitalter vermehrt Fachtagungen zu aktuellen politischen Themen der Region mit jeweils namhaften Referentinnen und Referenten. Die traditionsbewusste Organisation verzichtete allerdings nicht gänzlich auf Umzüge und Kundgebungen (1971 Ravensburg (D), 1973 Tettnang (D), 1983 und 2002 Bregenz (A), 1994 Langenargen (D) und 1998 Rorschach (CH)) und bot erneut prominente VeranstaltungsrednerInnen auf: Walter Arendt, Dr. Erhard Eppler, Willy Brandt, Rudolf Dressler, Wolfgang Thierse, Dr. Fred Sinowatz, Prof.Dr. Heinz Fischer, Dr. Alfred Gusenbauer, Moritz Leuenberger, Dr. Gret Haller, Dr. Ursula Koch sowie Hans-Jürg Fehr. Ministerpräsident Rudolf Scharping (SPD-Kanzlerkandidat), Bundeskanzler Dr. Franz Vranitzky (SPÖ) und Bundespräsident Dr. Otto Stich (SPS) trafen sich zudem bei einem von der SBI im Jahr 1994 initiierten Gedankenaustausch in Bregenz (A). Die Erhaltung erkämpfter ArbeitnehmerInnenrechte, nachhaltiger Umweltschutz, friedenspolitische Anliegen und Fragen des Transitverkehrs am See sind die gegenwärtigen Aufgabenschwerpunkte des modernen sozialdemokratischen Regionalverbandes SBI. Im Verlauf ihrer nunmehr über 100-jährigen SBI-Geschichte ist es der Sozialdemokratie rund um den Bodensee gelungen, in 220 Städten und Gemeinden örtliche Mitgliedsorganisationen zu etablieren (ursprünglich 22); bei den letzten nationalen Wahlen wurde die Sozialdemokratie im Einzugsbereich der „Bodensee-Internationale“ von rund 280.000 Wählerinnen und Wählern unterstützt.


SBI-Treffen mit Bundeskanzler Willy Brandt 1971 in Ravensburg (D).


Mit dem 'Prix Wasserfrau' ehrt die SBI seit 2002 das Engagement zugunsten von Frauen in der 'Euregio Bodensee'.

Bildergalerie der SBI
Bildergalerie der SBI
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Festschrift - 100 Jahre SBI

Weitere interessante Begebenheiten aus der wechselvollen SBI-Geschichte finden sich in einer zum 100-jährigen Jubiläum im Jahr 2002 herausgegebenen
Festschrift.

Die A4-Broschüre gibt es nicht mehr in der gedruckten Version.

Festschrift als PDF (ca. 3 MB)...

 

Das Archiv der SBI in Bregenz

Im Rahmen der Recherchen zur SBI-Geschichte konnte auch das Archiv in Bregenz (A) wiederaufgebaut werden. Es enthält zahlreiche Dokumente (bis 1945 als Reproduktionen) über die Entwicklung der ArbeiterInnenbewegung am Bodensee ab 1870. Das Archiv befindet sich in den Räumen des SPÖ-Clubs im Vorarlberger Landtag.


Ansprechpartner für die Archivbenutzung:

SPÖ-Landtagsclub
Mag. Gerhard Kilga / Evi König
Landhaus
Römerstrasse 15
A 6900 Bregenz.

Telefon:
+43 (0)5574 51131305
Telefax:
+43 (0)5574 51131395
e-mail:
spoeclub@spoe.vol.at

Landhaus in Bregenz
Das Landhaus in Bregenz beherbergt die Archivalien der SBI

Ansprechpartner für inhaltliche Fragen,
Bestandspflege und -erweiterung des Archivs in Bregenz:

Andreas Fuchs
Marktplatz 4
D 88081 Langenargen

Telefon:
+49 (0)160 2965432
Telefax:
+49 (0)7543 49709
E-mail:
fuchs@langenargen.de


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